Von Öl- und Rezessionsängsten

Schon wieder ein Problem.

Trotz erheblichen Kursanstiegen im Jahr 2012 sehen viele Analysten das Marktumfeld derzeit noch immer mit kritischen Augen. Kaum scheint sich die Eurokrise etwas zu entspannen - die italienischen und spanischen Anleiheauktionen verliefen erfolgreich - wird ein anderes Thema zum Sorgenkind Nummer eins auserkoren: die Besorgnis über einen möglichen Krieg zwischen Israel und dem Iran mit amerikanischer Beteiligung wächst. Diese Furcht wird den ohnehin schon hohen Ölpreis weiter nach oben treiben. Glaubt man vielen renommierten Ökonomen, so ist dies aus historischer Sicht betrachtet ein Indikator für eine nachfolgende globale Rezession. Hoher Ölpreis als Auslöser für eine Rezession? Zeit für einen Realitätscheck.

Das schwarze Gold

Die Berechnung des real existierenden Volumens der weltweiten Erdölvorkommen stellt Analysten vor eine schwierige Aufgabe. Doch trotz fehlender Transparenz und der Tatsache, dass Öl ein beliebtes Spekulationsobjekt von Hedgefonds ist, erfolgt letztendlich die Preisbildung immer noch durch Angebot und Nachfrage der Marktteilnehmer. Öl ist ein klassischer Konjunkturindikator. Ein hoher Ölpreis bedeutet daher vor allem eine brummende Weltkonjunktur. Der Ölpreis als Auslöser einer Rezession ist rückwärts gedacht. Es lohnt sich ein Blick zurück ins Jahr 2008.

Die globale Rezession 2008

Im Juli 2008 erreichte der Ölpreis mit über 145 Dollar pro Barrel einen absoluten Höchststand, einige Monate zuvor sind die Aktienmärkte bereits dramatisch in die Tiefe gerauscht. Der wirtschaftliche Aufschwung der vorangegangenen Jahre hatte bis dahin für einen stetigen Anstieg des Ölpreises gesorgt. Nach Bekanntwerden der ersten gravierenden Probleme im bestehenden Finanzsystem suchten Anleger gemäß dem üblichen psychologischen Muster nach einem vermeintlichen "sicheren Hafen" - und flüchteten sich in Öl. Was folgte, kann als typische Blasenbildung bezeichnet werden. Nachdem Hedgefonds letztendlich gezwungen waren, ihre Ölinvestitionen wieder abzuziehen, um entstandene finanzielle Löcher zu stopfen, waren den Verlusten keine Grenzen mehr gesetzt. Den Ölpreis als Auslöser für die Krise zu identifizieren und Parallelen mit der gegenwärtigen Situation zu suchen erscheint mir schlichtweg falsch. Der hohe Ölpreis hat keine Rezession ausgelöst, der Ölpreis ist viel mehr durch die Rezession und den damit verbundenen Nachfragerückgang nach Öl eingebrochen.

Was droht im schlimmsten Fall?

Sollte der Iran durch ein Embargo als Öllieferant ausfallen, so würden andere Länder nur zu gerne in die Bresche springen - der derzeit hohe Preis sorgt für sprudelnde Mehreinnahmen. Eine echte Ölkrise aufgrund von Rohstoffknappheit ist also nicht zu befürchten. Ebenso vermag ein Rückgang des Ölkonsums nicht, den wirtschaftlichen Aufschwung zu bremsen. Das BIP in den USA erreichte im vergangenen Jahr ein Allzeithoch - ungeachtet des sinkenden Ölkonsums der Bevölkerung aufgrund gestiegener Ölpreise.

Fazit

Eine Eskalation der militärisch angespannten Situation zwischen Israel und dem Iran würde wohl kurzfristig durchaus Spuren in den Märkten hinterlassen - evtl. auch den Ölpreis kurzfristig nach oben treiben. Die Weltwirtschaft wird jedoch nicht in eine Rezession stürzen. Die weltweite Konjunktur ist zu robust, der Einfluss des Öls zu gering. Übertriebene Ängste und Unsicherheit sind stets ein explosiver Treiber für steigende Aktienmärkte. Das Jahr 2012 wird diese These auch im weiteren Verlauf bestätigen. Weitere wichtige interessante Fakten zu diesem Thema - sowie einer detaillierten Markteinschätzung für 2012 - können Sie in unserer umfangreichen Jahresprognose nachlesen. Sie können sich diese kostenlos und unverbindlich unter www.gruener-fisher.de anfordern.

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