"Die Flucht ins Risiko"

Auf der Suche nach Rendite

Wir wissen das schon längst: Die Zeit der risikolosen Rendite ist vorbei. Eine Festgeldanlage kommt einer realen Geldentwertung gleich. Alternativen sind gefragt und eine - noch vielfach übersehene - neue Falle entsteht!

Die kategorische Ablehnung des Aktienmarkts führt die vermeintlich konservativen Anleger seit jeher in verschiedenste Anlageklassen: Anleihen, Immobilien und vielfältigste geschlossene Fonds und Beteiligungen. Während im Bereich der geschlossenen Beteiligungen bereits Ernüchterung eingekehrt ist, da sich einige bereits in Schieflage und Liquidation befinden, sind hochverzinste Mittelstandsanleihen aktuell noch im Trend. Es locken hohe Coupons. Das Prinzip der regelmäßigen Zins-Ausschüttung vermittelt Sicherheit, die Anlage scheint ein vermeintlich attraktiver Festgeldersatz zu sein. Große Vorsicht ist jedoch geboten: Dem grundlegenden Mechanismus „mehr Rendite durch mehr Risiko“ kann sich keine Anlageklasse komplett entziehen!

Das verkannte Risiko

Das von den Zentralbanken geschaffene Niedrigzinsumfeld gibt das „Zinsniveau“ des Marktes vor. Banken können sich quasi zum Nulltarif unbegrenzte Mittel leihen, entsprechend niedrig ist das Niveau der Hypothekenzinsen. So kann die Bank bei der Kreditvergabe relativ „günstige“ Zinsen anbieten und dennoch ordentliche Margen einfahren. Der Anleihemarkt kann sich diesem Zinsniveau nicht entziehen und rentiert zu historischen Tiefständen – sowohl im Bereich der Staatsanleihen als auch der Unternehmensanleihen. Wer Top-Bonität beim Emittenten voraussetzt, wird Probleme haben, mit der Inflation Schritt zu halten. Es stellt sich die Frage, wie die teilweise enormen Spreads zwischen dem „Marktniveau“ und den hochverzinsten Anleihen zustande kommen. Dieses versteckte Risiko wird von den Anlegern oftmals verkannt, sogar komplett ignoriert!

Anleger übernehmen das nicht mehr gewollte Risiko der Banken

Zahlreiche Anleger sind sich ihrer Rolle nicht bewusst, wenn sie hochverzinste Anleihen kaufen. Diese werden vorwiegend von Unternehmen emittiert, die nicht über die geforderten Kreditratings verfügen, die für konventionelle Bank-Finanzierungen nötig sind, und daher deutlich erhöhte Zinssätze anbieten - um die Attraktivität für private Anleger zu erhöhen. Das heißt im Klartext: Die Banken verzichten aus Sicherheitsgründen – wegen fehlender Bonität des Unternehmens – auf die Kreditvergabe. Der Anleger aber nimmt durch den Kauf der Anleihe diese Funktion ein und wird selbst zum „Risiko-Banker“ – zum Kreditgeber!

Die geforderten Kreditzinsen der Bank an die Unternehmen ohne Top-Rating sind oftmals sehr hoch. Deshalb ist es für die Unternehmen vorteilhafter, den Privatanleger als günstigeren Kreditgeber zu „missbrauchen“. Letztendlich akzeptiert der Privatanleger durch den Kauf von hochverzinsten Anleihen also ein Kreditgeschäft, welches die Bank zu den gegebenen Konditionen nicht eingehen würde!

Gerne wird übersehen: Die erforderlichen hohen Zinsen machen es für das Unternehmen schwieriger, ihre Anleihen überhaupt planmäßig zurückzuzahlen. Die jüngsten Skandale und Pleiten sollten Sie zur Wachsamkeit mahnen.

Fazit

Mehr Rendite bedeutet mehr Risiko. Auf der Suche nach vermeintlicher Sicherheit sind viele Gefahren verborgen. Mangelnde Transparenz sorgt oftmals dafür, dass das eingegangene Risiko in jeglicher Hinsicht unterschätzt wird. Wer hochverzinste Anleihen zeichnet, wird zum Kreditgeber – und geht ein Risiko ein, dass die Banken in dieser Form meist ablehnen würden.

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