Jetzt sofort raus? die Auflösung ...


16.12.2004 - von Thomas Grüner
Ist der Markt angeschlagen und ein Einbruch nur noch eine Frage der Zeit?

Diese Frage stellte ich gestern im Beitrag "Jetzt sofort raus?" vom 15.12.2004 / 12:03Uhr. (hier klicken).


Die Resonanz auf mein "Rätsel" war erstaunlich. Es erreichten mich sehr viele Mails, die eine Einschätzung der technischen Situation beinhalteten. Dafür ein herzliches Dankeschön an alle, die sich an dieser Aktion beteiligt haben.

Ich habe diesen Chart absichtlich ohne weitere Angaben eingestellt, um möglichst objektive Antworten zu erhalten. Meine Mitarbeiter und ich hören immer wieder technische Argumente unserer Gesprächspartner, die uns auf bestimmte Situationen hinweisen. Fast immer wird diese Argumentation gebraucht: "Ich bin der Meinung, dass die Aktienmärkte fallen werden und dieser Chart oder diese Indikatoren belegen das."


Objektivität und Disziplin

Wie Sie bereits wissen, nutzen wir für unser Research in der Vermögensverwaltung umfangreiche Datenbanken und Statistiken, in denen wir immer wieder erstaunliche Zusammenhänge finden. Die wichtigste Regel bei der Depotzusammenstellung für unsere Kunden lautet: "Disziplin und Objektivität." Dies erreichen Sie jedoch nur, wenn Sie grundsätzlich für alle Richtungen offen sind und sich nicht im Vorfeld auf eine präferierte Richtung oder Einschätzung festlegen.


Bin ich ein sturer Bulle?

Es wurde mir in den letzten Monaten oft vorgeworfen, dass ich eine "zu bullishe und sture Meinung zum Markt habe". Ok. Ich bin weiterhin sehr bullish für die Aktienmärkte und dies seit Oktober 2002, in dem ich meine Studie "buy low - sell high" veröffentlicht habe. Diese Frage stellte ich gestern im Beitrag Besuchen Sie unser Media-Archiv - einfach hier anklicken. Damals haben wir unsere defensive Haltung revidiert und sind seither fast vollständig in den weltweiten Aktienmärkten engagiert. Sehen Sie sich dazu auch unsere Firmenvideos an. (einfach hier anklicken)


Die Investoren sind weiterhin überwiegend verängstigt. Beobachten Sie Ihr eigenes Umfeld und suchen Sie nach Optimisten. Sie werden - wie ich auch - vermutlich nur sehr wenige finden! Ich sehe weiterhin keine sinnvollen Alternativen, die Investoren ein so lukratives Chance-Risiko-Verhältnis bieten, als tendenziell in Aktien übergewichtet zu sein.


Das Ergebnis Ihrer Analysen zu unserem Chart

Ich habe Ihnen einige Aussagen zusammengestellt, die wir gestern von Ihnen erhalten haben. Der Grundtenor war eindeutig bearish und klar negativ für den vorgestellten Chart. Bis auf wenige Ausnahmen, sahen fast alle einen dynamischen Rückgang bis an die Unterkante des rot markierten Bereiches.


- "Alle Kurse unter dem grünen Band sehe ich als nicht kaufenswert an. Im Gegenteil. Verkaufen."
- "so ein Chart geht wahrscheinlich weiter abwärts"
- "Auf nach unten! Beginnender Ausbruch aus bärischem Rechteck."
- "Meiner Meinung nach wird sich der kurzfristige Abwärtstrend im Chart fortsetzen und zwar bis in den unteren Bereich des rot markierten Vierecks, den Sie im davorgehenden Aufwärtstrend gezeichnet haben."


Bis auf zwei Leser, hat niemand den Chartverlauf zuordnen können. Eine "objektive" Sichtweise war damit gewährleistet. Nun aber zur Auflösung des Rätsels...


Das Rätsel


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Die Auflösung

Beim vorgestellten Chart handelt es sich um den Monatschart des deutschen Aktienindex DAX im Zeitraum von 1998 bis heute. Diesen habe ich jedoch invertiert, horizontal gespiegelt und die Farben (weiß und rot) der Kerzenkörper vertauscht. Da die technische Einschätzung des invertierten Charts überwiegend negativ war, so lautet das Fazit im Umkehrschluss: Die Einschätzungen - ohne Kenntnis des zu analysierenden Basiswertes - waren überwiegend deutlich positiv. Es lassen sich bis in den Bereich des Jahreshochs vom März 2002 bei 5467 Punkten kaum noch Widerstände herleiten.


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Fazit

Es ist wenig erstaunlich, dass die Stimmen und Meinungen zum Chart deutlich optimistischer sind und dem DAX deutlich mehr Aufwärtspotential bescheinigen, wenn der Betrachter nicht weiß, um welchen Kursverlauf und um welche Zeiteinstellung es sich handelt.




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