Die Angst kehrt zurück!


28.11.2006 - von Thomas Grüner
Die Stimmung kippt rasant.

Auch im heutigen Handelsverlauf haben die Aktienmärkte kräftig nachgegeben. Die Korrektur hatte sich angekündigt. Wir haben mehrfach darauf hingewiesen und wurden dafür eher kritisiert. "Die Jahresendrallye wird doch jetzt erst so richtig beginnen, das steht sogar in der Zeitung" hörte ich mehr als eine Aussage. Die Abkühlung an dieser Stelle ist dringend erforderlich. Erst nach dieser kalten Dusche kann - meiner Meinung nach - tatsächlich eine Jahresendrallye starten.

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Wirtschaftspresse als Kontraindikator

Ich habe Ihnen zum Thema ein schönes Beispiel mitgebracht: Wir lesen Nachrichten im Research unserer Vermögensverwaltung eher "auf dem Kopf stehend" - nur so können wir Gefahren frühzeitig erkennen, aber auch Chancen nutzen. Stark positive Kommentare sollten Sie grundsätzlich wachsam und vorsichtig machen, Überschriften mit Krisenszenarien dagegen zuversichtlicher. Immer dann, wenn es ein Thema aus dem Bereich der Finanzmärkte auf die Titelseiten schafft, sind Extrempunkte meist nicht mehr weit. Eine Punktlandung schaffte die Wirtschaftspresse - nach den Geschichten zum Ölpreis von bald über 100 US-Dollar und den drohenden Wirbelstürmen im August - in der vergangenen Woche wieder: Diesmal beim DAX. Die Überschrift lautete in der Donnerstagsausgabe der vorigen Woche: "Experten erwarten Jahresendrallye - DAX-Prognosen sehen bis zu 6800 Punkte". Und das, nachdem der DAX in wenigen Monaten um satte 20% zugelegt hatte.

Sie erinnern sich sicher noch gut an die letzte Woche. Der DAX erreichte am Mittwoch, 22. November zwischen 12 und 14 Uhr sein bisheriges Jahreshoch bei 6.497 Punkten. Die Stimmung war schon fast euphorisch - ein Mehrjahreshoch folgte dem Nächsten, der Dow Jones erreichte fast täglich neue Rekordstände. Mittwochs zu dieser Zeit wurden wohl auch die Titelgeschichten für den darauf folgenden Donnerstag in den Redaktionssitzungen ausgesucht. Diesen Zeitraum habe ich im Chart markiert:


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Fazit

Ich kann mich an dieser Stelle nur wiederholen. Seien Sie kritisch gegenüber den Schlagzeilen in den Medien. Das Studium der täglichen Wirtschaftspresse ist sicher gut geeignet, um Hintergrundinformationen zu den wichtigsten Themen zu erhalten. Die Titelgeschichten sind jedoch viel eher ein Kontraindikator, als ein guter Ratgeber. Einen kühlen Kopf bewahren auch Wirtschaftsredakteure recht selten. Nur allzu gerne lassen sich diese - wie fast alle Banken auch - von allgemeiner Euphorie, aber auch Krisenstimmungen anstecken. Das erscheint mir nicht klug - die Erfahrung lehrt uns eher das Gegenteil. Ein wenig emotionale Distanz zu den Märkten kann nicht schaden. Wenn ich hier aus dem Fenster schaue, sehe ich keine Bankentürme, sondern eine Viehweide und Landwirte bei ihrer Arbeit. Diese Distanz sollte ausreichen.




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