Der Merkel-Crash


04.02.2009 - von Thomas Grüner
Eine teure Garantie.

Erinnern Sie sich an den 07. Oktober 2008? Die Schlagzeilen der "BILD" an diesem Tag lauteten: "Größter Wallstreet-Sturz aller Zeiten", "Das Billionen-Versprechen", "Aktien im freien Fall", Riesen-Wut auf Banker", "Ausnahmezustand an den Börsen, Krisensitzungen, Alarmstimmung". Das Fass Rohöl stürzte auf - aus heutiger Sicht unglaubliche - 89 US-Dollar ab. Der Dow Jones Index fiel unter 10.000 Punkte. Die Börse in Moskau wurde ausgesetzt. Doch was hat das mit unserer Bundeskanzlerin zu tun?


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Eine beispiellose Kapitalflucht

Einer der "Lieblingssprüche" meines Vaters lautet: " Was ist das Gegenteil von gut gemacht? Gut gemeint!" Dies trifft auch für diesen Fall zu. Die von der Bundesregierung Anfang Oktober abgegebene, unbegrenzte Staatsgarantie für die Spareinlagen der Bürger hat die Finanzmärkte massiv umgekrempelt. Nie in der Geschichte erlebten wir innerhalb weniger Wochen und Monate eine Kapitalflucht in diesem Ausmaß. Deutsche Anleger verkauften nahezu alle Anlageklassen (Aktien, Immobilien, Zertifikate und Industrieanleihen) und flüchteten nahezu panisch in die vermeintlich sicheren Bankeinlagen, für die der Staat eine Garantie abgegeben hatte. Die Rücknahme von Anteilen vieler Immobilienfonds ist bis heute ausgesetzt. Bundeswertpapiere verzeichnen seither ebenfalls eine massive Nachfrage. Dies geht natürlich zu Lasten der anderen Anlageklassen und verschärft die Krise!

Weltweit haben Staatsgarantien und Eingriffe in die Märkte diesen Effekt gebracht. Die derzeitige Situation erinnert uns stark an das Frühjahr 2003. Damals - ebenfalls am Höhepunkt der Krise - sorgten die geforderten "Stresstests" der Versicherungsbranche für einen "künstlich" herbei geführten, zusätzlichen Verkaufsdruck an den Aktienmärkten, die den Absturz nochmals beschleunigten. Die Staatsgarantien im Herbst 2008 haben eine ähnliche Entwicklung ausgelöst. Das größte Problem besteht weiterhin in dem mangelnden Vertrauen der Investoren. Die heutigen Diskussionen um Enteignungen sind ebenfalls nicht hilfreich.

Besonders deutlich wird dieser Effekt am Beispiel des EONIA. Wikipedia erklärt diesen Zinssatz wie folgt: "Der EONIA (Euro Overnight Index Average) ist der offiziell berechnete Tagesgeldzinssatz für den Euro. Er besteht aus dem gewichteten Durchschnitt der Zinssätze, die eine Gruppe größerer Institute im Euro-Währungsgebiet auf dem Interbankenmarkt für unbesicherte Übernachtkontrakte effektiv abgeschlossen haben. Er wird von der Europäischen Zentralbank berechnet."

Am Tag nach der Staatsgarantie - dem 07. Oktober 2008 - notierte der EONIA bei 4,60%. Bis heute ist dieser Tagesgeldzinssatz auf 1,2% abgestürzt. Doch nicht alle Banken können sich diese günstigen Zinssätze sichern. Eine Anzeige der Commerzbank im heutigen Handelsblatt bringt das kurioserweise auf den Punkt. Dort heißt es: "Aus Commerzbank und Dresdner Bank wird eine Bank. Schon jetzt profitieren Kunden beider Institute von den Vorteilen der Top-Zins-Anlage: Hohe Renditen ohne Risiko. Sichern Sie sich jetzt noch für ein ganzes Jahr einen Zinssatz deutlich über Marktniveau. Feste Zinsen von 3,5% p.a.." Zum Vergleich: Einjährige Finanzierungsschätze des Bundes rentieren heute nur mit 1,25%. Die Staatsgarantie hat auch hier einen ähnlichen - eigentlich unerwünschten - Effekt: Banken müssen Konditionen "deutlich über Marktniveau" bieten und werben sogar noch damit. Bei "Subprime" war das nicht anders.


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Fazit

Die Staatsgarantie hat die Märkte nicht wie erhofft beruhigt und das Vertrauen in die Finanzmärkte zurück gebracht. Im Gegenteil: Der massive Eingriff in die freien Märkte hat das Vertrauen nachhaltig gestört und eine Flucht in Bargeld ausgelöst. Die Crash-Situation an den Finanzmärkten ist dadurch eskaliert. Der eigentlich erhoffte Effekt ist damit nicht nur verpufft, er hat die Krise sogar noch verschärft. Das Gegenteil von "gut gemacht" scheint in der Tat "gut gemeint" zu sein.


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