Das hat keine Bedeutung


22.11.2004 - von Thomas Grüner
Wenn viele Anleger dasselbe glauben, dann muss dies noch lange nicht bedeuten, dass es stimmt oder wahrscheinlich ist. Das Gegenteil ist oft der Fall.

Diese Nachricht bezieht sich auf die Meldung "VDAX mit weiterem Kaufsignal für den DAX! vom 16.05.2003.

Ja, das ist kein Tippfehler, ich meine den Beitrag vom 16. Mai 2003. Damals schrieb ich:


VDAX auf dem Weg zum langfristigen Durchschnittsbereich

Im Wochenchart ist bereits zu erkennen, dass der Abwärtstrend den VDAX wohl zurück bis in seinen langfristigen Durchschnittsbereich zwischen 15 und 25 Punkten führen wird. Die Peaks - resultierend aus der Russland- und Asienkrise und der hinlänglich bekannten Megabaisse seit Frühjahr 2000 - sollten auf Sicht der nächsten Monate nicht wieder erreichte Extremlevels bleiben.


Auch auf diesen Beitrag erhielt ich viele eMails, die mich heftig dafür kritisierten. "Ob ich denn nicht sehe, dass sich die Zeiten geändert hätten. Die Volatilitäten werden nie mehr unter 30 fallen. Es sind einfach zu viele Daytrader am Markt und die vielen Informationen über das Internet würden die Märkte schneller machen." Ok. Was ist seit damals geschehen?

Die Volatilitäten sind in den letzten Monaten sogar etwas tiefer gefallen, als ich damals prognostiziert hatte. Im Tief wurde am Freitag, 19.11.2004 ein Level von 13,66 erreicht. Der von mir damals eingezeichnete Zielbereich wurde unterschritten.

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Was bedeutet ein tiefer VDAX?

Die Marktteilnehmer rechnen mit einer geringen Schwankungsbreite in der Zukunft. Doch ist dies verwunderlich, nachdem wir in den letzten Monaten die geringste Volatilität seit Jahrzehnten erlebt haben? Ein tiefer oder hoher VDAX bedeutet isoliert betrachtet nichts und ist als Instrument um Prognosen zu stellen denkbar ungeeignet. Menschen verlängern gerne Trends aus der näheren Vergangenheit unreflektiert in die Zukunft und gehen von einer weiteren Seitwärtsbewegung aus. Wenn die Volatilitäten ansteigen sollten, dann wird damit mehrheitlich eine deutliche Abwärtsbewegung vorausgesagt. Diese Aussagen halten jedoch keiner statistischen Überprüfung stand.


"Aber Puts sind doch so billig"

Sehr oft hören meine Mitarbeiter oder ich dieses Argument. Die eigene Skepsis wird damit gerne begründet. Natürlich sind Puts aktuell recht billig, da die implizite Volatilität ein maßgeblicher Faktor zur Preisbestimmung ist. Doch die andere Seite der Medaille ist - wenn das auch gerne in Diskussionen unter den Tisch fällt - natürlich auch richtig: Calls sind ebenfalls "billig". Klassische Optionsscheine sind daher aktuell fast immer günstiger bewertet als vergleichbare Hebelzertifikate, trotzdem sind Hebelzertifikate derzeit wesentlich beliebter. Ein Blick in die Umsatzstatistiken der Euwax belegt dies eindrucksvoll.


Fazit

Die Volatilität - gemessen in Indizes - hat keinen statistisch belegbaren Nutzen um Marktbewegungen vorhersagen zu können. Der Korrelationskoeffizient des VDAX ist sehr gering, egal gegen welchen Index oder anderen Wert ich diesen berechne. Es werden zwar immer wieder Beispiele angeführt, in diesen dieser Zusammenhang angeblich nachweisbar sei, doch je länger die Daten- und Zeitreihen gewählt werden, desto geringer wird die Aussagekraft.
Isoliert betrachtet, hilft der VDAX recht wenig um Vorhersagen treffen zu können - um es klar auszudrücken: gar nichts!


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