Achtung Wahljahr!


28.07.2008 - von Thomas Grüner
Gibt es ein typisches Muster?

In diesem Jahr wird wieder einmal ein neuer US-Präsident gewählt. Der Präsidentschaftszyklus war bereits oft ein Thema meiner früheren Veröffentlichungen. Typischerweise verlaufen die ersten beiden Jahre einer US-Präsidentschaft schwächer als die 3. und 4. Jahre. Was ist für 2008 zu erwarten?


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Spannung bis im November

Im November 2008 wird ein neuer US-Präsident gewählt. Sollte nichts Unerwartetes mehr geschehen, werden für die Republikaner Senator John McCain und für die Demokraten Senator Barack Obama ins Rennen gehen. In aktuellen Umfragen liegt Obama deutlich in Führung. Vor allem die Unsicherheit über die zukünftige Steuerpolitik eines möglichen Präsidenten Obama beunruhigt daher die Märkte.

Interessant in diesem Zusammenhang: Nach einer Gallup-Analyse der neun spannendsten Kämpfe um die Präsidentschaft, konnte der Kandidat, der im Juli in Führung lag, nur drei Mal gewinnen! Beispielhaft führte Kerry gegen George W. Bush 2004 deutlich, Bush Senior lag gegen Bill Clinton 1992 mit 7% vorne, Dukakis führte gegen Bush Senior 1998 mit 6%. Im Wahl-November wurden jedoch alle geschlagen.

Der amerikanische S&P 500 kehrt sein typisches Muster „sell in may and go away“ in einem Wahljahr um. Während die Zeit von Januar bis Mai normalerweise zu den ertragreichsten Börsenphasen gehört, ist in einem US-Wahljahr das Gegenteil der Fall: Seit 1928 brachte der Zeitraum von Januar bis Mai in einem Wahljahr durchschnittlich nur eine Rendite von 1,2%. Von Juni bis Dezember legte der S&P 500 anschließend jedoch im Schnitt um satte 13,3% zu. Deutliche, zweistellige Zuwächse sind fast als „Regel“ anzusehen. Es gibt nur wenige Ausnahmen. Insgesamt verlief ein Wahljahr nur drei Mal negativ: 1932 (während der großen Depression, jedoch verlief auch hier das zweite Halbjahr mit einem Zuwachs von über 60% extrem positiv), 1940 (während des zweiten Weltkrieges) und 2000 (als Start des großen Bärenmarktes – damals stand wegen des extrem knappen Ergebnisses der Sieger George W. Bush erst im Januar nach diversen Nachzählungen und offenen Rechtsfragen fest).


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Fazit

Das Wahljahr 2008 sollte sich in dieses typische Verlaufsmuster einreihen und ein starkes zweites Halbjahr mit sich bringen. Mit zunehmend deutlicher werdenden Umfrageergebnissen sollte sich die Unsicherheit über den zukünftigen Präsidenten der USA legen und dies die Märkte positiv stimulieren. Ein Vergleich mit dem Jahr 2004 drängt sich auf. Auch damals wurden die positiven Prognosen vom Jahresanfang nach einem schwachen ersten Halbjahr revidiert. Bis Ende des Jahres stiegen die globalen Aktienmärkte anschließend deutlich an.


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